Pareto – Die 80/20 Regel

Hallo, ich freue mich sehr, dass du heute mitliest. Das heutige Thema ist Pareto. Pareto kennen die meisten wahrscheinlich mittlerweile, aber wissen nicht ganz genau, was dahintersteckt. Ich möchte eine kleine Geschichte erzählen. Vor ein paar Jahren, als ich angefangen habe, mich mehr mit Software auseinanderzusetzen, hatte ich ein Problem, das viele neue Softwareentwickler haben. Ich habe mich bei meinen Abschätzungen, was meinen Zeitaufwand geht, deutlich vertan. Warum war das so?

Ich habe mir überlegt, was ich genau machen muss und habe dafür eine Zeit angenommen. Am Ende lag ich dann falsch, weil ich zwar insgesamt das große Bild richtig betrachtet hatte, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich für die ganzen Kleinigkeiten, die außen rum noch laufen und die kleinen Verfeinerungen, das Abstimmen mit dem Kunden und nochmal auf die Kundenwünsche eingehen et cetera, dass das nochmal so aufwendig ist. Und hier kommt das Pareto-Prinzip zum Tragen. Das Pareto-Prinzip wird auch die 80/20-Regel genannt und es besagt, dass man 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreichen kann. Und die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse noch einmal 80 Prozent des Gesamtaufwandes erfordern.

Das bedeutet in meinem Beispiel: ich habe geschätzt, wie lange ich insgesamt brauche und habe dabei aber eher die 20 Prozent geschätzt, mit denen ich aber immerhin schon mal 80 Prozent erreichen konnte. Als ich dann 80 Prozent erreicht hatte, war ich auch ganz gut mit meiner Zeit, dachte mir, ich bin fast fertig und habe dann, um die letzten 20 Prozent zu erreichen, nochmal 80 Prozent der Zeit benötigt. Und das ist auf die Dauer ganz schön anstrengend, wenn man das so nebenbei noch erledigen darf. Damit dir das nicht so geht oder falls es dir schon so geht, sich das in Zukunft das auch ändern kann, möchte ich dir heute ein bisschen etwas über das Pareto-Prinzip erzählen.

Das Pareto-Prinzip ist benannt nach einem italienischen Statistiker namens Vilfredo Pareto. Er lebte 1850 bis 1920 ungefähr und hat im Jahr 1906 herausgefunden, dass 20 Prozent der Bevölkerung Italiens 80 Prozent des Bodens dort besitzen und im Umkehrschluss also 80 Prozent der Bevölkerung nur 20 Prozent des Bodens in Italien in Besitz haben. 1989 wurde auch festgestellt, dass 20 Prozent der Bevölkerung 82 Prozent des Weltvermögens besitzen. Und das lässt sich in der Natur und bei den Menschen immer wieder feststellen. Pareto hat das nicht erfunden, sondern er hat das nur entdeckt oder aufdeckt, dass es diese Regel gibt. Also eine Gesetzmäßigkeit, die schon immer vorhanden war, aber die bis dahin nicht wirklich bewusst war.

Wenn man jetzt also weiß, dass man mit 20 Prozent Einsatz 80 Prozent Ergebnis erreichen kann, dann ist das schon eine ganz gute Sache. Es geht aber noch weiter. Denn ich kann ein Pareto eines Paretos machen. Ich nehme also 20 Prozent von den 20 Prozent, was dann 4 Prozent sind und 80 Prozent von den 80 Prozent, was dann 60 Prozent sind. Das bedeutet, ich kann mit 4 Prozent Einsatz 60 Prozent Ergebnis erreichen. Und ich kann das natürlich noch weitertreiben. Und das heißt dann nichts anderes, wie dass ich mit einem Prozent Einsatz schon 50 Prozent meines Ergebnisses erreichen kann. Wichtig ist immer zu verstehen, wann man 50, 60, 80 oder wann man auch 100 Prozent benötigt. Es bringt mir nämlich am Ende gar nichts, wenn ich bloß einen Prozent Aufwand betrieben habe, mir aber die 50 Prozent überhaupt nicht ausreichen.

Auf der anderen Seite kann man daraus auch gut lernen, dass wer immer perfekt sein möchte, also immer 100 Prozent erreichen will, einen hohen Aufwand hat. Machen wir das vielleicht nochmal an einem Beispiel fest. Wenn wir lernen und wir wollen 100 Prozent Wissen uns aneignen und benötigen dafür zehn Stunden, dann müssten wir um 80 Prozent Wissen zu erreichen nur zwei Stunden lernen. Hier ist jetzt die Frage: wie wichtig ist es, dass wir alles wissen? Es gibt Gebiete, dort ist es überhaupt nicht wichtig, dass wir 100 Prozent wissen, sondern uns würden die 80 Prozent vollkommen ausreichen. Und es gibt andere Gebiete, da sollten wir die 100 Prozent wissen. Beispiel: wir machen eine theoretische Führerscheinprüfung, dann sollten wir besser 100 Prozent wissen, denn 80 Prozent reicht ziemlich genau, um gut durchzufallen. Und dann hätten wir uns die 20 Prozent Aufwand beim Lernen auch sparen können.

Das Pareto-Prinzip ist natürlich auch keine 100 Prozent genaue Wissenschaft. Das bedeutet, es gibt davon auch durchaus Abweichungen. Es kann also auch durchaus vorkommen, dass die Verteilung 70:30 ist oder 90:10. Was allerdings nie vorkommen kann, ist eine 65:45 Verteilung.

Was sind jetzt noch besonders bekannte Beispiele von Pareto? Das wahrscheinlich bekannteste Prinzip ist, dass wir 80 Prozent unseres Umsatzes mit 20 Prozent unserer Kunden machen. Und wir für 20 Prozent unserer Kunden 80 Prozent unserer Zeit brauchen und das nur ganz selten die gleichen Kunden sind. Also oft ist es so, dass es absolut Sinn machen kann, genau zu untersuchen, für welche 20 Prozent seiner Kunden man 80 Prozent seiner Zeit benötigt und dann zu prüfen, ob man auf diese Kunden nicht vielleicht auch verzichten kann. Ein anderes bekanntes Beispiel kommt aus dem Qualitätsmanagement. 20 Prozent der Fehler machen in der Regel 80 Prozent der Auswirkung aus. Sprich, wir haben sehr viele Fehler mit einer sehr kleinen Auswirkung. Und wir haben wenige Fehler, die eine sehr große Auswirkung haben. Wenn wir uns dann natürlich darauf konzentrieren, die Fehler auszumerzen, die die hohe Auswirkung haben, so kommen wir deutlich schneller voran und können unser Produkt schneller auf einen guten Zustand bringen.

Was eine etwas weniger bekannte Einsatzmöglichkeit von Pareto ist, ist der Umgang mit anderen Menschen. Wir bekommen 80 Prozent unserer Zufriedenheit durch den Umgang mit 20 Prozent der Menschen, mit denen wir zu tun haben. Das gilt sowohl für Freunde als auch für Kollegen und Geschäftspartner. Wenn wir jetzt unsere Zufriedenheit steigern wollen, dann macht das also durchaus Sinn, darauf zu achten, welche 20 Prozent der Menschen es sind, mit denen wir eine sehr hohe Zufriedenheit haben und diesen Kontakt weiter auszubauen.

Und schließlich und letztendlich können wir Pareto auch sehr gut für unsere Tagesplanung, Wochenplanung oder Monatsplanung verwenden. Denn es gibt immer wieder Aufgaben, die 20 Prozent unserer Zeit benötigen und 80 Prozent unseres Erfolges ausmachen. Und diese Aufgaben zu finden, das sollte eins unserer höchsten Anliegen sein. Denn durch nichts anderes haben wir einen so guten Hebel bei unserer eigenen Entwicklung und der Entwicklung unseres Geschäfts als damit, die richtigen 20 Prozent der Aufgaben zu machen und im Notfall die anderen auch mal liegen zu lassen.

Ich hoffe, dass du ein paar spannende Ideen mitnehmen konntest. Und ich würde mich sehr freuen, wenn du mir erzählst, wo du Möglichkeiten für den Einsatz von Pareto in deinem Leben siehst. Ansonsten gilt natürlich wie immer, wenn dir der Podcast gefallen hat, lass es alle wissen und lass mir doch auch gerne eine gute Bewertung da. Falls dir der Podcast nicht gefallen hat, lass mich wissen, an was es lag, dann würde ich mich freuen, daran zu arbeiten. Ich wünsche dir alles Gute, bleib gesund.

Ciao, dein Daniel.

Daniel Verfasst von:

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