Werte – dein innerer Kompass

Hallo, es freut mich sehr, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der heutigen Folge möchte ich mit dir über das Thema Werte sprechen. Werte sind für mich ein ganz besonders wichtiges Thema. Ich habe damals während meiner Coaching-Ausbildung zum ersten Mal genauer über meine eigenen Werte nachgedacht, habe das seitdem immer wieder getan und auch mit vielen Klienten gemeinsam ihre Werte ergründet. Für mich ist ein Verständnis der eigenen Werte eine Grundlage für ein authentisches Leben.

Was sind Werte eigentlich? Werte sind tiefste Grundüberzeugungen, die tief in uns verankert sind. Werte bilden sich in uns durch Erziehung, durch Vorbilder und auch durch die Kultur, in der wir leben. Beispiele für Werte sind zum Beispiel Respekt, Idealismus, aber auch abstrakte Themen wie Natur oder Kunst. Und auch ganz profane Dinge wie berufliches Weiterkommen sind Werte. Jeder Mensch hat eigene Werte. Diese sind ihm entweder bewusst oder unbewusst. Und Werte sind bei jedem Menschen individuell, quasi wie ein Fingerabdruck.

Es gibt also keine zwei Menschen, die identische Werte haben, selbst wenn sie dieselben Wörter benutzen, so meinen sie in der Regel doch etwas anderes damit. Und das macht die Sache mit den Werten manchmal auch sehr schwierig. Denn wir können uns kein Buch holen und schauen, was gute Werte sind, uns diese aussuchen und dann danach leben. Denn die Werte haben sich in uns entwickelt und das über viele Jahre hinweg. Aber trotz der langen Zeit, über die Werte entstehen, können sich Werte auch verändern, besonders durch einschneidende Ereignisse.

Das Positivste davon ist vermutlich die Geburt eines Kindes. Und das kann für dich und die Menschen in deinem Umfeld dann oft schwierig sein. Nach dem Abitur hatte ich ein befreundetes Pärchen. Sie waren das Traumpaar. Sie haben so gut zusammengepasst. Sie hatten viele Gemeinsamkeiten, viele gemeinsame Hobbys, waren viel gemeinsam unterwegs und auch viel feiern. Haben sich dennoch genügend Freiraum gelassen und alle dachten: das hält für immer. Sie sind zusammengezogen und die Beziehung hat immer noch super geklappt. Und dann kam das erste Kind. Und bei ihr haben sich die Werte verändert. Und bei ihm nicht. Das hat über die Zeit zu einer Entfremdung geführt. Sie hat ihm vorgeworfen, dass er immer noch derselbe war wie früher und er hat ihr vorgeworfen, dass sie nicht mehr dieselbe war wie früher. Mit der Zeit kamen sie immer weiter voneinander weg und haben sich schließlich getrennt.

Aus meiner Sicht haben sich bei ihr die Werte Selbstverwirklichung und Individualität geändert in die Werte gute Mutter sein und Sicherheit. Ich glaube auch nicht, dass einer von beiden schuld daran war, dass sie sich am Ende getrennt haben. Aber ich bin mir sicher, dass es einfacher gewesen wäre, beieinander zu bleiben, wenn sie sich mehr über ihre und die Werte ihres Partners Gedanken gemacht hätten. Denn erst sobald wir Themen aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein holen, haben wir auch die Möglichkeit, diese aktiv anzugehen und darüber zu kommunizieren. Nicht nur Menschen haben Werte, sondern auch Firmen, Staaten und ganze Kulturkreise. Dabei ist es immer viel wichtiger, welche Werte gelebt werden, als welche Werte propagiert werden. Und das gilt ganz egal, ob für das Individuum oder die Nation. Tritt aber am stärksten zum Vorschein bei Firmen.

Viele Firmen haben auf ihrer Homepage wunderschöne Werte, nach denen sie streben und an die sie sich halten wollen. Wenn man einmal in die Firmen reinschaut, merkt man sehr schnell, dass die Werte, die man sich auf die Fahnen geschrieben hat, nicht die Werte sind, die im Inneren gelebt werden. Deswegen möchte ich jedem raten, die Probezeit auch dafür zu nutzen, herauszufinden, ob die Werte der Firma mit meinen Werten übereinstimmen.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich einen Klienten, der zu mir kam, weil er einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter gemacht hatte und eigentlich mehr über die Verwendung von Coaching-Techniken als Führungskraft wissen wollte. Wir kamen ins Gespräch und nach etwas Zeit meinte er irgendwann: „wissen Sie, ich bin jetzt so weit gekommen, aber so richtig glücklich bin ich immer noch nicht, obwohl ich es sein sollte. Ich bin verheiratet mit der Frau, mit der ich verheiratet sein wollte, habe zwei wunderbare Kinder, habe einen tollen Job, verdiene unglaublich viel Geld, fahre ein tolles Auto. Letztes Jahr haben wir uns sogar eine Ferienwohnung auf Mallorca gekauft. Aber trotzdem, irgendwas fehlt mir noch. Wahrscheinlich kommt das, wenn ich die nächste Stufe auf der Karriereleiter genommen habe.“ Er sah mich dann an und sah so aus, als ob er von mir Zustimmung haben wollte, die ich ihm dann aber nicht gab, sondern ich habe einfach gewartet. Und noch etwas gewartet. Und noch etwas gewartet, bis er schließlich meinte: „wissen Sie, eigentlich wollte ich damals nach dem Studium was für die Umwelt machen. Irgendwie dem Planeten helfen, dass es wieder aufwärts geht. Und jetzt sitze hier in einem Job und helfe einem Hersteller dabei, mehr und günstigere Produkte auf den Markt zu bringen. Und warum? Damit die alten in den Müll fliegen und im Ozean schwimmen. So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt.“ Und dieses „so habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt“ deutet oft darauf hin, dass man nicht im Einklang mit seinen Werten lebt.

Werte, das ist wie ein Kompass in unserem Leben. Er zeigt uns eine Richtung, in der wir Glück und Erfüllung finden können. Wenn wir uns nicht daran halten, kommen wir zu anderen Orten, die wir vielleicht nie finden wollten. Vielleicht gefällt es uns dort auch für kurze Zeit, aber auf Dauer ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir dort glücklich werden. Darum finde ich es wichtig, dass du dich mit deinen Werten auseinandersetzt, sie kennst und weißt, wann du mit ihnen in Einklang handelst und wann auch nicht.

Da es allerdings ziemlich schwer sein kann, wenn du vor einem leeren Blatt Papier sitzt und dir über Werte Gedanken machst, habe ich dir eine kleine Hilfe mitgebracht. Ich habe in meiner Rolle als Business-Coach schon viele Menschen bei dem Thema Werte begleitet. Und ich glaube mittlerweile, dass viele Menschen selbstständig dazu in der Lage sind, sich ihre Werte zu erarbeiten. Sollte dir das trotz der Anleitung nicht gelingen, kannst du mir gerne schreiben. Ich bin mir sicher, wir finden dann gemeinsam einen Weg, wie du deine Werte kennenlernst.

Auf der Homepage findest du im Blogbeitrag zu diesem Podcast ein Excel-File zum Verwenden, das du jetzt herunterladen kannst. In der Zeit kannst du auch gerne den Podcast pausieren. Die Datei besteht aus zwei Teilen. Eine Anleitung und einmal das Blatt für die Durchführung. Wir gehen die Anleitung einmal gemeinsam durch. Davor erkläre ich dir kurz, was du auf den einzelnen Seiten finden wirst, weil du wahrscheinlich gerade im Auto sitzt und überhaupt keine Möglichkeit hast, dir ein Excel-File herunterzuladen und auch noch anzuschauen. Und solltest du gerade Autofahren, tu auf gar keinen Fall das Excel-File herunterladen und anschauen, sondern konzentriere dich auf das Fahren, bitte.

Die Datei ist absichtlich eine Excel-Datei, damit du sie weiterverwenden kannst oder auch teilen kannst, wenn du das möchtest. Gerne darfst du sie auch abändern. Und wenn du das machst, würde ich mich sehr freuen von dir zu hören, was du geändert hast. Man lernt ja schließlich auch nie aus. Also auf der Seite mit den Werten findest du so ungefähr 150 Werte nach Senge. Es gibt verschiedenste Wertelisten. Ich habe die von Senge genommen, weil sie mir gut gefällt und weil sie aus meiner Sicht mit 150 Werten ein gutes Maß an nicht zu viel und nicht zu wenig bildet. Wenn du dir diese Werte durchliest, tust du bei allen, bei denen du den Eindruck hast, dass sie dir wichtig sind, in Spalte B ein Kreuz reinmachen. Und das machst du für alle 150 Stück.

Am Ende wirst du wahrscheinlich, ich schätze mal, so um die 20 bis 40 Kreuze haben, was leider deutlich zu viel sind. Denn am Ende wollen wir auf zehn Werte kommen, die wir in eine Reihenfolge bringen. Deswegen wirst du als nächstes die Liste ausdünnen. Und zwar so lange, bis du auf zehn Stück kommst. Und wenn ich zehn Stück meine, dann meine ich nicht elf oder zwölf oder zehn und so ein bisschen, sondern zehn. Das ist ein sehr anstrengender Prozess, das weiß ich. Aber es hilft uns, Prioritäten zu setzen, wenn wir uns darauf konzentrieren, wirklich nur auf zehn zu kommen.

Um die Werte hier zu reduzieren, kannst du dir Fragen stellen, wie: was ist mir wichtig im Leben? Wann bin ich stolz auf mich? Oder dir überlegen, was es für dich bedeutet, wenn dieser Wert gebrochen wird und was dann mit dir passiert. Es kann auch sein, dass es Sinn macht, nach dem Durchlesen der 150 Werte erst einmal eine kurze Pause einzulegen, eine Runde laufen zu gehen, um den Kopf frei zu bekommen, Sport zu machen oder was auch sonst immer du machen möchtest, um dich anschließend wieder besser zu konzentrieren.

Wenn du es dann geschafft hast, die Werte auf zehn zu reduzieren, dann bin ich stolz auf dich. Ich weiß, das war anstrengend, aber ich sage dir, es hat sich gelohnt. Leider ist der schwierige Teil noch nicht vorbei. Denn jetzt müssen, dürfen wir die Werte in eine Reihenfolge bringen. Und wie du siehst, habe ich das Müssen immer noch nicht aus meinem Wortschatz verbannen können. Um die Werte in die Reihenfolge zu bringen, gibt es eine eigene Spalte. Dort markierst du dir erst einmal die zehn Werte, die es soweit geschafft haben, in deine enge Auswahl zu kommen. Und dann würde ich dir empfehlen, nur noch diese zehn Werte einzublenden und alle anderen auszublenden.

Oft ist es für uns vermeintlich einfach zu sagen, was der wichtigste Wert ist. Davon würde ich aber abraten. Um mit deinen Top-Ten besser in Verbindung zu treten, solltest du jetzt dir aufschreiben, was dir jeder einzelne Wert, was ja oft nur ein einziges Wort ist, genau für dich bedeutet. Du hast Platz dafür in Spalte C. Und natürlich kannst du das auch auf einem Blatt Papier, auf deinem Handy oder sonst irgendwo machen. Wichtig ist, dass du dabei möglichst konkret bist.

Als nächstes kommt der Schritt, bei dem die meisten meiner Klienten sich sehr schwer getan haben. Wir bewerten jeden Wert gegen jeden anderen Wert aus meiner Top-Ten. Als Beispiel: ich habe den Wert Respekt und werte ihn jetzt gegen intellektuellen Status, Vielseitigkeit, Religion, Ruf, Qualitätsbeziehung, Hingabe, Natur und Besitz und frage mich jedes Mal: ist Respekt wichtiger als intellektueller Status? Ist Respekt wichtiger als Vielseitigkeit? Ist Respekt wichtiger als Religion? Jedes Mal, wenn der Wert wichtiger ist als der andere, bekommt er einen Punkt. Wenn nicht, dann bekommt er keinen Punkt. Dadurch erhält jeder Wert eine Bewertung zwischen null und neun. Und damit kann ich dann meine Reihenfolge bauen.

Vermutlich wirst du einige Werte haben, die ein gleiches Ergebnis erzielen. Hier kannst du jetzt ganz individuell eine Feinabstimmung vornehmen und am Ende kommt eine Reihenfolge raus von eins bis zehn. Diese kannst du in Spalte E eintragen.

Herzlichen Glückwunsch! Du hast für dich eine Wertehierarchie entworfen, hast gesagt, was der wichtigste Wert für dich ist und was dieser Wert dir bedeutet und das auch für die nächsten neun Werte gemacht. Ich möchte dir nicht empfehlen, mit deinen Werten überall hausieren zu gehen oder gar ein großes Plakat zu schreiben, denn deine Werte sind eine sehr persönliche Angelegenheit. Und man kann sie sehr einfach dafür benutzen, um dich zu manipulieren. Ich würde aber dennoch empfehlen, mit Menschen, zu denen du ein gutes Vertrauensverhältnis hast, über deine Werte offen zu sprechen und dich auch mit ihnen auszutauschen. Vor allem mit den Menschen, mit denen du die meiste Zeit zubringst, zum Beispiel deine Partnerin oder auch deinen Kindern. Denn nur wer deine Werte kennt, kann deine Werte auch gut respektieren. Und es ist immer wieder vermessen, wenn man glaubt, dass der andere die Werte kennen soll, wenn wir sie nie gesagt haben.

Als letztes noch: es gibt eine kleine Unterscheidung zwischen den einzelnen Werten der Top-Ten. Es gibt Werte, die nie gebrochen werden dürfen, die, sobald sie gebrochen sind, dich in den absoluten Widerstand bringen. Und es gibt andere Werte, bei denen ist es für kurze Zeit okay, wenn sie auch mal in den Schatten treten dürfen. Überlege dir, welche Werte es sind, die nie gebrochen werden dürfen und markiere dir diese besonders. Und achte auch darauf, dass wenn du mit jemanden über deine Werte sprichst, du das klarmachst.

Wenn für dich zum Beispiel der Wert Ehrlichkeit eine Top-Priorität hat und er auch nie gebrochen werden darf, dann solltest du dir bei deiner Berufswahl oder eher bei deiner Firmenwahl ein genaues Auge darauf haben, dass die Firma das genauso sieht. Denn sonst bin ich mir fast sicher, dass du mit deinem Arbeitgeber in einem Konflikt kommen wirst.

Ich hoffe, du hattest eine schwere Zeit mit dem Test und musstest deinen Kopf richtig anstrengen. Und ich hoffe noch mehr, dass du mit deinem Ergebnis zufrieden bist und dass es dir für deine Zukunft hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen und mit einem besseren Gespür für dich und deine Werte durch die Welt zu gehen.

Solltest du Fragen zu dem Test haben, kannst du mir sehr gerne eine Nachricht zukommen lassen. Ich werde sie auf jeden Fall beantworten. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, genieße die Zeit, bleibe gesund.

Ciao, dein Daniel.

Daniel Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Meltem Aytac
    Juni 2, 2020
    Antworten

    Eine sehr wichtige Übung, die ich meinen Klienten für jede Art Entscheidungsfindung empfehle und benutze dafür die Excel Liste von Daniel Seeger.

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