Das Kind in mir will achtsam morden

Hallo! Es freut mich sehr, dass du heute wieder eingeschaltet hast. Nach diesem Podcast wirst du wissen, was die Kerninhalte des Buches „Das Kind in mir will achtsam morden“ sind, was du daraus mitnehmen kannst und wann ich dir empfehlen würde, das Buch zu lesen und wann auch nicht.

Das Buch setzt nach Karsten Dusses Debütroman „Achtsam morden“ an und führt die Handlung des Rechtsanwaltes Björn Diemel weiter. Karsten Dusse selbst ist Rechtsanwalt und seit Jahren als Autor für Fernsehformate tätig. Seine Arbeit wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Wenn ich das richtig weiß, ist er verantwortlich für Ladykracher. Das Buch „Achtsam morden“ war nicht Karsten Dusses erstes Buch, aber sein erster Roman und auf jeden Fall auch ein erster Bestseller. Der zweite Teil ist am 11.5.2020 erschienen, umfasst 480 Seiten und es gibt auch wieder eine Hörbuchfassung dazu. Den Link zur Hörbuchfassung und zu Amazon stelle ich dir unten in die Shownotes. Mittlerweile ist es auch nicht mehr ganz so abschreckend, das Hörbuch zu holen.

Hintergrund ist der, dass ich auf das Buch wirklich sehnlichst gewartet habe, weil ich das Thema inneres Kind super spannend finde und der erste Teil war für mich einfach grandios. Ich hatte so viel Spaß damit gehabt, dass ich unbedingt den zweiten Teil lesen wollte oder, genauer gesagt, hören wollte. Zwei Tage nachdem der zweite Teil, also „Das Kind in mir will achtsam morden“ draußen war, bin ich auf die Audible-Seite gegangen, um mir das Hörbuch zu holen. Und dann bin ich ein wenig erschrocken. Denn das Buch hatte zu dem Zeitpunkt zweieinhalb Sterne. Und jeder, der sich ein bisschen mit Audible auskennt oder auch mit Amazon, weiß, zweieinhalb Sterne sind kein Qualitätsmerkmal, nach dem man ein Buch kaufen möchte.

Ich war dann also erstmal sehr überrascht, dass das Buch so schlecht sein soll und habe mir die Rezensionen angeschaut. Und Hintergrund war gar nicht der, dass das Buch besonders schlecht ist, sondern dass der Sprecher gewechselt hat. Der Sprecher davor war Matthias Matschke und der hat das erste Buch einfach grandios gut gelesen. Das zweite Buch wird vom Autor selber, also von Karsten Dusse, gelesen. Und Herr Dusse liest aus meiner Sicht das Buch ordentlich. Allerdings hat der ursprüngliche Sprecher die Latte schon sehr hoch gesetzt. Und da kommt Karsten Dusse einfach nicht dran. Die Käufer des neuen Buches waren dann enttäuscht, weil ihre Erwartungen, was den Sprecher angeht, nicht erfüllt worden sind und haben als Protest gegen den neuen Sprecher sehr schlechte Rezensionen abgegeben, die aus meiner Sicht aber nicht gerechtfertigt waren. Für alle, die einmal gerne hören wollen würden, was für eine Satzkonstellation, für alle, die einmal gerne in das Hörbuch reinhören möchte, verlinke ich auch noch eine Hörprobe, die von Random House zur Verfügung gestellt wird und die ersten zwei, drei Seiten des Buches umfasst.

Kommen wir jetzt aber endlich zum Buch. Der Klappentext sagt: Björn Diemel ist zurück und mordet ganzheitlicher als je zuvor. Björn Diemel hat die Prinzipien der Achtsamkeit erlernt und mit ihrer Hilfe sein Leben verbessert. Er hat den stressigen Job gekündigt und sich selbstständig gemacht. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Tochter und streitet sich in der Regel liebevoller mit seiner Frau. Ach ja, und nebenbei führt er noch ganz entspannt zwei Mafia-Clans. Weil er den Chef des einen hat ermorden lassen und den des anderen im Keller seines Kindergartens eingekerkert hat. Warum nur kann Björn das alles nicht genießen? Warum verliert er ständig die Beherrschung? Hat er das Morden einfach satt? Ganz so einfach ist es nicht. Sein Therapeut Joschka Breitner, auch er ist wieder dabei, bringt ihn endlich auf die richtige Spur. Es liegt an Björns innerem Kind.

Unterteilt ist das Buch in 50 Kapiteln. Jedes behandelt wieder ein anderes Thema, diesmal aber eher zum Thema inneren Kind. Wie auch schon beim ersten Teil fangen alle Kapitel mit einem Zitat aus einem Buch von Joschka Breitner an. Entweder aus dem Bekannten, „Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte“ oder aus dem neuen Buch von Joschka Breitner „Das innere Wunschkind“. Was aber ist jetzt dieses innere Kind? Ich kannte das innere Kind schon, bevor ich mir das Buch angehört habe, und hatte mich deswegen so drauf gefreut. Das innere Kind gehört zu den modellhaften Betrachtungsweisen innerer Erlebniswelten. Es ist also ein psychologisches Modell, um die Gefühlswelt vom Menschen abzubilden.

Die Idee dabei ist die, dass Menschen vor allem in ihren jungen und prägenden Jahren vieles erleben und einiges davon sie innerlich verletzt. Ich bin mir sicher, du wirst die eine oder andere Situation erlebt haben, in der du als Kind verletzt wurdest. Das kann sowohl bei sehr offensichtlichen Punkten passieren, also zum Beispiel, wenn dir als Kind ein Herzenswunsch nicht erfüllt wird. Oder auch in Situationen, die das Kind einfach anders erlebt als seine Umwelt. Während meiner Ausbildung zum Businesscoach habe ich eine spannende Geschichte gehört, die vermutlich wahr ist. Und zwar ging es darum, dass die betroffene Person davor Angst hatte, in Gruppen zu sein. Und zwar nicht, weil sie andere Menschen nicht mochte, sondern weil ihre größte Furcht die war, in einer Gruppe zu sein und sich dann dennoch alleine zu fühlen. Wie die Person erzählt hat, war der Hintergrund der, dass sie als Kind einmal mit ungefähr fünf Jahren auf einem Bauernhof war mit der kompletten Familie. Und alle waren zusammen. Es war ein wirklich schöner Tag.

Aber in einem Moment saß die besagte Person alleine mit fünf Jahren in einem Bollerwagen, hat sich umgeschaut und hat keinen einzigen Menschen gesehen, der es beachtet hat. Vor allem nicht die eigene Familie. Und in diesem Moment hat sich das Kind ganz alleine gefühlt, quasi verlassen von allen anderen. Dieses Gefühl des Verlassen-seins innerhalb einer großen Gruppe hat das Kind damals sehr getroffen. Und weil es dieses Gefühl nie verarbeiten konnte, wurde diese Angst im Inneren eingesperrt und über Jahre hinweg beibehalten. Joschka Breitner sagt dazu im elften Kapitel: ökonomisch betrachtet ist das innere Kind die Bad Bank ihrer Seele. Wenn Sie dort all ihre negativen Emotionen verbuchen, hat der Rest Ihres Geistes eine rein positive Bilanz. Joschka Breitner, „Das innere Wunschkind“.

Du kannst also sagen, dein inneres Kind speichert alle negativen Emotionen, um sicherzustellen, dass dein äußeres Kind oder dein äußeres Ich davon befreit ist. Sollte dir jetzt das Konzept des inneren Kindes noch nicht ganz klar sein, ist es gar kein Problem. Das Buch fängt nämlich auch mit einer kurzen Einleitung zum inneren Kind an, welches auch Teil der Hörprobe ist und dieses Konzept noch einmal schön erklärt. Und zur Verdeutlichung werde ich dir diesen Teil jetzt vorlesen. „Zwei Dinge sind in meiner Kindheit ganz offensichtlich schiefgelaufen. Mein Vater und meine Mutter. Das jedenfalls erfuhr ich 40 Jahre nach meiner Kindheit, als ich mich auf Druck meiner Frau zum ersten Mal mit meinem inneren Kind beschäftigte. Wäre ich nicht durch meine sehr positive Erfahrung mit dem Thema Achtsamkeit für psychologische Themen sensibilisiert worden, hätte ich das mit dem inneren Kind wahrscheinlich zunächst einmal für kompletten Humbug gehalten. Alles, was bei einer Vorsorgeuntersuchung vom Proktologen nicht entdeckt werden kann, steckt auch nicht in uns. Das war früher meine Meinung. Noch vor einem Jahr hätte ich ein Buch über das innere Kind deshalb schlicht für Schwangerschaftsliteratur gehalten. Eines der Bücher, die einem Mann zwar jede Menge Information über die biologischen Vorgänge innerhalb seiner Partnerin vermitteln, die aber als Erklärung für sein eigenes Seelenleben ansonsten eher bedeutungslos waren. Inzwischen weiß ich, dass der psychologische Ansatz des inneren Kindes mit Geburtsvorbereitung nicht das Geringste zu tun hat. Er spielt komplett auf der anderen Seite der Gebärmutter für beide Geschlechter. Nach der Lehre vom inneren Kind sind wir emotional aufgebaut wie eine russische Matroschkapuppe. Wenn es in unserer wachsenden Seelenpuppe rappelt, ist das in Wahrheit das Geräusch dieser verletzten Kinderseelenpuppe innen drin. Nicht wir stehen unserem Glück im Wege, unser inneres Kind tut das, weil es mit allen Verletzungen aus unserer Kindheit ein Teil von uns ist. Wollen wir das Rappeln stoppen, müssen wir das innere Kind heilen.“

Und dieser Weg der Heilung des inneren Kindes wird auf alt bewährte Weise mit viel schwarzem Humor auf den kommenden Seiten beschrieben. Für alle Eltern da draußen noch die Überschrift des Kapitel 15: ihre Eltern waren nicht die besten Eltern der Welt. Sie waren nur die einzigen Eltern in ihrer Welt. Man sieht also, es geht beim inneren Kind auch sehr viel um die Eltern-Kind-Beziehung und wie sich diese entwickelt hat. Um all die Verletzung, die man als Kind ertragen durfte und davon, wie man sich von ihnen heilen kann. Der Satz, der für mich am meisten im Gedächtnis geblieben ist, war der, als Björn Diemel bei Joschka Breitner ist und sie über die Eltern gesprochen haben und Björn Diemel frägt: „wie soll ich nur meinen Eltern jemals vergeben können, was sie mir angetan haben?“ Und Joschka Breitner antwortet mit den Worten: „Ihre Eltern mögen in Ihrer Kindheit Fehler begangen haben. Ihre Eltern werden diese Fehler wahrscheinlich in bester Absicht durchlaufen sein. Ihre Eltern haben Ihnen aber auch ein Geschenk gemacht, dass Sie bis zu Ihrem Tod genießen sollten. Ihre Eltern haben Ihnen Ihr Leben geschenkt. Verzeihen Sie Ihren Eltern.“

Neben dieser für mich auch sehr hoffnungsvollen Botschaft, immerhin bin ich ein Elternteil und in 30 Jahren wird sich meine Tochter mit den Kratzern, die ich in ihrem inneren Kind hinterlassen habe, rumschlagen dürfen, fand ich noch die Erklärung für das innere Kind sehr schön, dass die Verletzungen, die dem Kind in der Kindheit zugefügt worden sind, wie blaue Flecken sind auf der Seele des inneren Kindes. Und immer, wenn heute wieder eine Situation eintritt, in der diese Verletzung neu aufgemacht wird, ist es, als ob jemand auf den blauen Flecken, auf der Seele des inneren Kindes herumdrückt und damit große Schmerzen auslöst.

Und dieses Konzept des inneren Kindes erklärt für mich auch sehr gut, warum manche Menschen in besonderen Situationen sehr extrem reagieren und überhaupt nicht angemessen. Das Beispiel aus dem Buch, aus dem ersten Kapitel ist, dass ein Kellner Björn Diemel ignoriert und dieser daraufhin total ausrastet, was alle anderen, auch seine Frau, als sehr unangemessen ansehen. Es wird dann allerdings noch erklärt, dass in der Kindheit Björn Diemel immer wieder von Kellnern ignoriert wurde und deswegen bei dem Thema sehr heikel ist. Die dritte Aussage, die mir in dem Buch noch sehr gut gefallen hat, war, dass Achtsamkeit nur an der Oberfläche arbeitet. Es wird verglichen mit einem Fass voller Wasser. Und die Achtsamkeit sorgt dafür, dass die Wellen immer wieder gelegt werden. Wenn wir also ein ganz volles Fass mit Wasser haben, sorgt die Achtsamkeit dafür, dass nichts überschwappt, indem es die Wellen beruhigt. Das Problem ist, wenn trotzdem noch mehr Wasser reinkommt, dann kann ich noch so achtsam sein, das Wasser wird einfach überlaufen. Und das ist dann der Punkt, an dem das innere Kind ansetzt.

Das innere Kind versucht nämlich, den insgesamten Stand des Wassers niedriger zu machen. Und deswegen ist die Arbeit mit Achtsamkeit eher an der Oberfläche. Wir wollen also oberflächlich die Wellen beruhigen, während die Arbeit mit dem inneren Kind eher an die Wurzeln geht, also tief in uns rein. Und hier möchte ich jetzt auch mit meiner Meinung über das Buch ansetzen. Denn das ist für mich der Hauptkritikpunkt an dem Buch. Das Konzept des inneren Kindes ist im Vergleich zur Achtsamkeit sehr viel schwerer zu vermitteln. Und deshalb wird aus meiner Sicht deutlich mehr Zeit auf die Lektionen und weniger Zeit auf Situationskomik und Charaktere gelegt. Gleichzeitig konnte ich aber deutlich weniger mitnehmen, da das Thema inneres Kind für mich einfach viel zu tiefgreifend ist, als dass ich es einfach weglesen kann.

Wenn du dich einmal ernsthafter mit dem Thema inneren Kind auseinandersetzen möchtest, dann würde ich dir das Buch „Das Kind in mir will Heimat finden“ von Stefanie Stahl empfehlen. Das hat ungefähr gleich viele Seiten wie das Buch von Karsten Dusse, verzichtet dabei aber komplett auf Geschichten, sondern hat sehr viele Arbeitsteile, also Praxisteile, an denen man mit sich und seinem inneren Kind arbeiten soll. Kurzum, das Konzept des inneren Kindes wird vorgestellt und ich denke, es ist auf jeden Fall gut, einmal davon gehört zu haben, um zu entscheiden, ob man das spannend findet. Also quasi wie dieser Podcast hier, nur eben nicht in 15 Minuten, sondern auf 480 Seiten.

Ich habe auch den Eindruck, dass das Buch unter hohem Druck geschrieben wurde. Der Vorgänger war sehr erfolgreich. Und ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Welle mitnehmen möchte. Das wäre für mich auf jeden Fall die Erklärung, warum die Geschichte etwas unausgegoren wirkt und viele Parallelen in der Handlung zum ersten Teil vorhanden sind, gleichzeitig der erste Teil aus meiner Sicht sehr viel schöner auf einzelne Szenen und vor allem auch auf die Charakter eingegangen ist. Nichtsdestotrotz habe ich es nicht bereut, das Buch gekauft und gehört zu haben. Es ist wie am Anfang die Sache mit den schlechten Bewertungen wegen einem neuen Sprecher. Aus meiner Sicht ist das Hauptproblem des Buches das, dass der Vorgänger extrem gut war und dann die Erwartungen entsprechend hoch sind. Das zweite Buch erfüllt diese Erwartungen aus meiner Sicht nicht und trotzdem ist es ein gutes Buch. Es gab wieder sehr viele Szenen, die mich zum Lachen gebracht haben und einige, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben. Und ich konnte auch etwas mitnehmen. Nur habe ich insgesamt ein bisschen weniger gelacht, ein bisschen weniger nachgedacht und ein bisschen weniger mitgenommen.

Wann solltest du dieses Buch also lesen? Aus meiner Sicht solltest du das Buch lesen, wenn dir der erste Teil sehr gut gefallen hat, wenn du dich für das Thema inneres Kind interessierst oder du einfach ein gutes Buch lesen möchtest. Bevor du allerdings damit anfängst, würde ich dir empfehlen, die Erwartungen runter zu schrauben. Und ich glaube, dann wirst du eine gutes Lesevergnügen haben. Bevor du dir allerdings den zweiten Teil anhörst oder durchliest, fang auf jeden Fall mit dem ersten Teil an. Nicht bloß, weil es aus meiner Sicht der stärkere Teil ist, sondern auch, weil dort die Personen, die im zweiten Teil vorkommen, vorgestellt werden und es vermutlich deutlich einfacher ist, sich in die Handlung des zweiten Teiles einzufinden.

Solltest du dich entschieden haben, das Buch zu lesen, dann kaufe es jetzt und schreibe mir innerhalb von einer Woche auf meiner Homepage einen Kommentar, was die für dich schönste Szene war und warum. Jetzt wünsche ich dir einen wunderbaren Tag. Alles Gute, bleib gesund. Ciao, dein Daniel.

Links:

Karsten Dusse: Das Kind in mir will achtsam morden (Hörprobe)

Das Kind in mir will achtsam morden*
Das Kind in dir muss Heimat finden*

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Daniel Verfasst von:

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