Aktives zuhören

In der heutigen Folge möchte ich mit dir darüber sprechen, was Aktives Zuhören ist. Ich möchte das gerne anhand von einem Beispiel klarmachen.

Ich war letztens in der Kaffeeküche bei meinem alten Arbeitgeber und habe ein Gespräch gehört, das ungefähr so ablief: „hey, der Kaffee, der ist ja heute wirklich gut.“ „Oh ja, der Kaffee. Da fällt mir ein, ich war ja letztens auf Kuba, da gibt es ja auch Kaffee.“ „Oh, ja, und Strände. Strände sind auch ganz toll. Also ich war ja auf Bali, die hatten einen ganz tollen Strand.“ „Oh ja, Bali. Bali ist auch spannend. Da fliegen ja auch Flugzeuge hin. Und die Flugzeuge und dieses CO2, das ist ja ganz schlimm für den klimatischen Fußabdruck.“ Und ich glaube, was man daraus lernen konnte, war, dass die beiden überhaupt nicht miteinander reden wollten. Die wollten beide nur jeweils eine Geschichte erzählen. Und diese Geschichte war für beide sicher super spannend, aber nicht für den anderen.

Ein anderes Beispiel, leider auch aus der Realität gegriffen, ist: als ich einem, einer Führungskraft zugehört habe, die folgenden Satz zu mir sagte: ich verstehe meinen Mitarbeiter nicht, der hört mir einfach nicht zu. Ich habe mich da zurückversetzt gefühlt in ein Buch von Stephen R. Covey „Die sieben Wege zur Effektivität“. Da war dasselbe mit einem Kind. Und sowohl bei Covey, als auch hier ist die Tragik dieser Aussage nicht zu unterschätzen. Weil er versteht seinen Mitarbeiter nicht. Der hört ihm einfach nicht zu. Das bedeutet nichts anderes, wie dass die die Führungskraft erwartet, dass sein Mitarbeiter immer zuhören muss und er nie. Und er erwartet, dass der andere ihn dann versteht und das einfach so annimmt.

In der Schule lernen wir zu reden, in der Schule lernen wir auch zu schreiben und zu lesen. Erstaunlicherweise lernen wir aber nirgends zuzuhören. Und das, obwohl es doch das Sprichwort gibt: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Und je länger wir darüber nachdenken, desto mehr Sinn macht das auch.

Was ist jetzt die Grundvoraussetzung dafür, aktiv zuhören zu können? Das wichtigste ist, dass es mich wirklich, wirklich interessiert, was der andere mir erzählen möchte. Und dafür muss das, was der andere mir erzählt, oft so wichtig sein, wie die Person, die es mir erzählt.

Ein anderes Beispiel, wie wichtig aktives Zuhören ist, ist ein Arzt. Ich war mal bei einem Arzt und ich bin mir sicher, dass es viel bessere gibt, aber dass er auch nicht der einzige in seiner Branche ist, der so agiert. Ich bin hingegangen, weil ich husten musste schon seit mehreren Wochen. Und der Husten ging einfach nicht weg. Und ich kam rein, hatte die Sprechstunde, kam nach langem Warten dran, erzähle dem Arzt, was mein Problem ist und das erste, was er macht, ist: „ja, alles klar, gar kein Problem. Hier sind Hustenpastillen und hier ist eine Krankschreibung über eine Woche.“ Ich wollte mich gar nicht krankschreiben lassen und ich wollte auch nicht unbedingt Hustenpastillen haben. Als erstes wollte ich eigentlich mal, dass er mir wirklich zuhört und versucht zu verstehen, was ich denn wirklich habe. Und zwar nicht bloß kurz zuhört innerhalb von 30 Sekunden und dann sofort zur Maßnahme kommt. Nein, ich wollte, dass er sich um mich kümmert. Und diesen Eindruck hatte ich bei diesem Arzt leider nicht.

Und ich glaube, das geht vielen Menschen heutzutage so, wie den beiden in der Kaffeeküche auch, die so aneinander vorbei gesprochen haben. Das Wichtigste beim aktiven Zuhören ist aber die Auswirkung, die es für uns in unserem täglichen Leben haben kann. Denn erst, wenn sich ein Mensch wirklich verstanden fühlt, ist er auch bereit, zuzuhören und sich auch meinen Standpunkt anzuhören. Solange mein Gegenüber sich nicht wirklich verstanden fühlt, wird er auch die ganze Zeit, während ich ihm meinen Standpunkt versuche darzulegen, über mögliche Antworten nachdenken, darüber, was er vielleicht noch weiter sagen sollte oder wie er sich besser verständlich machen kann.

Deswegen ist es wirklich wichtig, auf den anderen zuzugehen, verstehen zu wollen, was ihn bewegt, was er meint. Um das zu verdeutlichen, möchte ich gerne ein Beispiel machen. Stellen wir uns vor, ich habe einen Konflikt mit einer anderen Person, das gar nichts persönlich so schlimmes, sondern wir haben einfach bloß unterschiedliche Ziele. Wenn ich jetzt dem anderen nicht sehr gut zuhöre und ihn verstehe und er dasselbe mit mir macht, dann werden wir sehr lange aneinander vorbei sprechen, ohne der Lösung auch nur im Entferntesten näher zu kommen. Erst, wenn ich damit anfange, auf das zu hören, was der andere mir sagt und verstehen will, was er auch damit meint und was seine wirklichen Bedürfnisse sind, erst dann kann ich darauf eingehen, kann ihm zu verstehen geben, dass ich weiß, was er denkt, was er benötigt und was er will. Und ab diesem Zeitpunkt, wo der andere wirklich den Eindruck hat, dass ich ihn verstehe, wird auch er bereit sein, mir zuzuhören und sich meine Bedürfnisse anzuhören.

Und das ist dann die Grundlage dafür, dass ich gemeinsam mit dem anderen zu einer Lösung kommen kann, die besser ist als eine jeweils einzelne Lösung, wo eine Win-Loose-Situation entsteht, nämlich dorthin, dass wir zu einer Win-Win-Situation kommen, die im Idealfall unser beider Bedürfnisse befriedigt.

Und dafür hilft es dann auch oft, einfach mal „Warum?“ zu fragen. Manchmal auch drei oder vier Mal nacheinander. Und es muss auch nicht ganz so plump sein, dass man einfach fünf Mal nacheinander ganz stupide fragt: warum? Warum? Warum? Warum? Das hört sich dann so ein bisschen an, wie aus dem Automat. Aber ich bin mir sicher, jeder kennt da zwei, drei, vier abwechselnde Methoden, wie man „Warum?“ fragen kann, ohne dass es sich ganz so stupide anhört. Und am Ende wird der andere viel besser erklären, um was es ihm wirklich geht, als dass er einfach nur oberflächlich sagt, was sein Anliegen ist.

Was mir persönlich auch sehr gut hilft, dem anderen zu verstehen, ist das Paraphrasieren. Sprich, ich versuche mit meinen eigenen Worten zu wiederholen, was der andere mir gerade gesagt hat. Das mache ich, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich verstanden habe, was der andere sagen möchte und nicht, dass ich befürchten muss, meinen eigenen Interpretationen reinzupacken und am Ende doch daneben zu liegen.

Das Letzte und sicherlich Schwierigste, was man für gutes, aktives Zuhören braucht, ist Empathie. Empathie kann man leider nicht kaufen und auch nicht gewinnen, aber man kann es sich erarbeiten. Empathie bedeutet, zu versuchen, durch die Brille des anderen zu sehen. Das bedeutet, ich versuche mir klarzumachen, was den anderen bewegt, wie sein Blickwinkel ist und was von außen auf ihn einwirkt.

Und dabei ist es dann auch ganz wichtig, keine autobiografischen Antworten zu geben. Autobiografische Antworten sind Antworten, die ich aus meiner eigenen Erfahrung heraus erzähle. Das ist immer relativ einfach, die zu geben, weil sie auch für mich total passend sind.

Ein Beispiel wäre, warum Mathe so schwierig ist. Und ich antworte ihr: „ach, Mathe ist gar nicht schwierig. Du musst dich bloß genügend anstrengen, dann klappt es mit Mathe auch. Und wenn du immer fleißig lernst, dann wirst du auch super gut da drin.“ Für mich hat es damals vielleicht gepasst. Eigentlich nicht mal das. Aber ich kann verstehen, warum ich so antworten kann. Es hat nur überhaupt nichts mit dem Problem meiner Tochter zu tun. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie mir danach wirklich das erzählt, was sie bedrückt und was ihr auf dem Herzen liegt, ist eher niedrig.

Wichtig ist auch, dass man beim aktiven Zuhören auf die Körpersprache des anderen achtet. Ich finde es gut, wenn man dabei immer etwas Augenkontakt, also Blickkontakt hält, aber den anderen nicht penetrant anstarrt. Man könnte sich so als Faustregel nehmen, dass man so ein Drittel der Zeit dem anderen direkt in die Augen schaut und zwei Drittel der Zeit an ihn vorbei. Besonders beliebt ist es, dass man während man selber spricht, den anderen direkt anschaut und während man zuhört, ein bisschen an ihm vorbei schaut.

Aus meiner Erfahrung wichtig ist auch, dass wenn ich eine Frage stelle und der andere geht mit seinem Blick nach oben, also die Augen schauen nach oben die Ecken, dass ich dann still bin und nicht nach, nichts nachschieben, nicht nachfrage, sondern einfach abwarte. Dieser Blick nach oben ist immer ein Zeichen dafür, dass der andere nachdenkt. Und wenn ich ihn in seinem Denkprozess störe, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist, er hört mir einfach nicht zu und die andere ist, er hört mir zu und wird in seinem Denkprozess unterbrochen und kann dann nicht mehr richtig antworten.

Deswegen, wenn der andere nach oben schaut, einfach mal die Stille aushalten. Ich weiß, dass die Stille auszuhalten nicht immer ganz einfach ist. Fünf Sekunden Stille können echt lang sein. Wir testen das jetzt einfach mal in live. (fünf Sekunden Pause). Und das waren jetzt gerade mal fünf Sekunden. Nach zehn Sekunden fühlen die meisten Menschen sich schon ganz schön komisch. 15 Sekunden tun langsam weh. Und eine halbe Minute ist unglaublich anstrengend, vor allem, wenn man das nicht gewohnt ist. Aber es hilft. Wenn der andere die Zeit braucht, um nachzudenken, um seine Gedanken sich zu sammeln, einfach mal still sein und warten. Wenn es dem anderen unangenehm wird, dann wird er auch von alleine weiterreden und sich auch besser erklären.

Das gilt übrigens auch dann, wenn der andere seinen Satz mit einem Oder beendet. Also das sind diese typischen Aussagen, bei denen man schon denkt, dass der andere weiß, was man meint. Oder? Genau, das war das Beispiel. In dem Fall auch einfach mal warten. In 99 Prozent der Fälle beantwortet der andere seine Frage dann selbst. Und ihr erfährt viel mehr darüber, was ihm wichtig ist und nicht das, was ihr ihm eingebt.

Das für mich Schwierigste bei der ganzen Geschichte mit dem aktiven Zuhören ist, dass man nicht einfach selber losplappern darf. Das heißt, der andere erzählt mir was und mir fallen 4.000 Punkte ein, die ich ihm unbedingt jetzt erzählen muss, weil sie entweder super spannend sind, weil ich ihm zeigen kann, wie falsch er liegt. Oder einfach bloß, weil ich eine tolle Geschichte habe, die ihn sicher auch interessiert. Aber das muss ich einfach aktiv unterdrücken. Ich muss meinen Zwang, mich mitzuteilen, dem anderen unterordnen und einfach mal zuhören.

Das wird mit der Zeit immer etwas leichter, aber nie so richtig einfach. Vermutlich ist es auch ein wenig typabhängig. Ich als eher extrovertierter Vielreder tut sich damit sicherlich schwieriger als introvertierte Menschen, die da tatsächlich mal wieder einen echten Vorteil haben. Immer, wenn ich dann warte und nicht losplappere und nichts sage, denke ich daran, wie wertschätzend das dem anderen gegenüber ist. Vielleicht weiß der andere das gar nicht und merkt es auch gar nicht, aber ich weiß es und das ist für mich dann meistens auch die Hauptsache.

Als letztes noch zuhören und aktives Zuhören heißt nicht gutheißen. Das heißt, ich kann, mein Wunsch, den anderen zu verstehen, bedeutet nie automatisch auch, dass ich das, was er sagt, in Ordnung finde. Manchmal muss man das auch sehr klarmachen, weil viele Menschen denken, bloß weil ich ihn zuhöre, unterstütze ich sie auch. Und wenn das nicht der Fall ist, dann sollte ich ihm das auch sagen.

Jetzt hast du also gehört, wie man aktives Zuhören betreibt. Wo kannst du das jetzt richtig einsetzen? Eigentlich kann man aktives Zuhören überall betreiben. Das fängt in der eigenen Familie an, zum Beispiel wenn man mit seiner Freundin spricht oder seiner Frau spricht und sie ihm etwas von ihrem Lieblingshobby erzählt oder von ihrer Lieblingsserie erzählt und das interessiert einem mal so gar nicht. Aber trotzdem kann man sich dann Mühe geben, den anderen zuzuhören, auch aktiv zuzuhören. Nicht, weil mir das Thema wichtig ist, sondern deswegen, weil mir die andere Person wichtig ist. Und die andere Person wird das immer spüren, wenn ich ihr aktiv zuhöre. Und das baut eine unglaublich hohe Wertschätzung auf.

Natürlich kann ich das auch im Arbeitsalltag oft und sinnvoll verwenden. Zum Beispiel, wenn ich mit Mitarbeiter, Kollegen oder Vorgesetzten spreche. Wenn ich mich für ein Gespräch entscheide, dann entscheide ich mich dafür, das richtig zu machen. Das heißt, der andere bekommt meine ganze Aufmerksamkeit. Das bedeutet auch, dass ich mein Telefon nebenher klingeln lasse, dass ich keine WhatsApp nebenher schreibe, dass ich auch nicht bei anderen Gesprächen zuhöre, sondern mich voll und ganz auf ihn einlasse.

Die meisten von uns werden das kennen. Man spricht mit einer anderen Person, plötzlich klingelt ihr Telefon, sie guckt auf das Display, geht ran, vielleicht fragt sie davor noch kurz: „oh, ich muss mal schnell rangehen“ und telefoniert, während man gerade dabei ist, über etwas zu sprechen, was einem echt wichtig ist. Und das Gefühl, das sich dann einstellt, das ist schlecht, das ist nicht Wertschätzung.

Auf der anderen Seite hoffe ich, dass du auch das Gefühl kennst, wenn du jemand anderem etwas wirklich Wichtiges erzählst, das Telefon des anderen klingelt und er drückt es einfach bloß auf stumm. Und du fragst noch: „möchtest du da nicht rangehen? Das könnte wichtig sein.“ Und der andere sagt dir: „ja, vielleicht ist das wichtig, aber momentan bist du wichtiger.“

Leider hat aktives Zuhören wie die meisten Sachen, die gut sind, auch einen Nachteil. Der Hauptnachteil ist der, es braucht viel mehr Zeit, als wenn man oberflächlich zuhört. Deswegen sollte man sich gut aussuchen, von wem man sich was anhören möchte. Es gibt ganz wenig, was noch deprimierender ist für mich, als mir die Leidensgeschichten von anderen Menschen anzuhören und die auch noch gut zu verstehen, wo mir die Menschen gar nicht wichtig sind. Deswegen, wer aktives Zuhören betreibt, wird sich immer sehr bewusst überlegen: mit wem spreche ich? Und wem höre ich aktiv zu?

Jetzt hoffe ich, dass ich dir in den 13 Minuten spannende Inhalte zum Thema aktives Zuhören vermitteln konnte, dass du für dich auch etwas gefunden hast, was du damit in deinem Leben anfangen kannst. Und wenn es dir was gebracht hat, lass es mich wissen, schreibe mir einen Kommentar, wo du es eingesetzt hast, wo du es noch einsetzen möchtest, welche Fragen du dazu hast. Insgesamt, wenn dir der Podcast gefallen hat, dann höre dir auf jeden Fall die nächsten Folgen an. Und wenn dir die auch gut gefallen, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du den Podcast abonnierst. Sollte es dir nicht gefallen haben, dann schreibe mir doch bitte eine Nachricht über Instagram und lass mich wissen, was dich gestört hat. Das gibt mir die Möglichkeit, daran zu arbeiten. Vielen Dank dafür. Und jetzt wünsche ich dir noch einen wunderschönen Tag und viel Spaß mit dem aktiven Zuhören.

Daniel Verfasst von:

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