Achtsam morden

Hallo und herzlich willkommen zur siebten Folge von „Auf den Punkt gebracht“

In der heutigen Folge möchte ich dir das Buch „Achtsam morden“ von Karsten Dusse näherbringen. Und zwar, weil es ein fantastisches Buch ist – meiner Meinung nach. Es hat 417 Seiten, ist im Juni 2019 erschienen und auch als Hörbuch erhältlich. Als ein solches habe ich es auch gehört, und zwar ziemlich genau an einem Wochenende, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Das Buch verbindet auf wunderbar humoristische Weise Achtsamkeit und Kriminalfälle miteinander. Der Klappentext liest sich wie folgt: „Björn Diemel wird von seiner Frau gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar zu besuchen, um seine Ehe ins Reine zu bringen, sich als guter Vater zu beweisen und die etwas aus den Fugen geratene Work-Life-Balance wiederherzustellen. Denn Björn ist ein erfolgreicher Anwalt und hat dementsprechend sehr wenig Zeit für seine Familie. Der Kurs trägt tatsächlich Früchte und Björn kann das Gelernte sogar in seinen Job integrieren, allerdings nicht ganz auf die erwartete Weise. Denn als sein Mandant, ein brutaler und mehr als schuldiger Großkrimineller, beginnt, ihm ernstliche Probleme zu bereiten, bringt er ihn einfach um — und zwar nach allen Regeln der Achtsamkeit. Achtsam morden ist die Geschichte eines bewussten und entschleunigten Mordes, der längst überfällige Schulterschluss zwischen Achtsamkeitsratgeber und Krimi, vor allem aber ein origineller Unterhaltungsroman.“

Und das, was mich an dem Buch so fasziniert hat, war die Kombination von Sachbuch und Unterhaltungsroman. Denn die Lektionen, die gezeigt werden, kann man tatsächlich verwenden, man kann daraus, aus meiner Sicht, sehr viel mitnehmen. Und zwar gerade deshalb, weil es kein reines Sachbuch ist, sondern weil man wirklich viel Freude daran hat, das Buch zu lesen. Und wenn man Freude an etwas hat, kann man deutlich besser lernen. Das Sachbuch, auf das in dem Buch immer wieder referenziert wird, heißt: „Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte“ von einem sogenannten Joschka Breitner. Ich habe gesucht, leider lässt sich das Buch nirgends finden. Ansonsten hätte ich das auch noch gekauft. In diesem Fall müssen wir uns aber damit zufrieden geben, dass jeweils die Kapitelüberschrift ein Zitat aus dem Buch ist und uns damit auch jedes Mal eine Achtsamkeitslektion näherbringt, die Björn in dem Kapitel dann auch anwenden wird.

Joschka Breitner, das ist auch der Achtsamkeitstrainer, zu dem Björn Diemel, die Hauptperson des Buches, geht, um sich dort ein 1:1-Coaching im Bereich Achtsamkeit abzuholen. Das Buch ist in insgesamt 37 Kapitel aufgebaut. Und jedes dieser Kapitel ist eine Lektion in Achtsamkeit. Die Lektion wird jeweils von Björn Diemel genutzt, um sein Leben achtsamer zu gestalten oder das von anderen Menschen achtsamer zu beenden. Du musst dir übrigens keine Sorgen machen, falls du das Buch noch lesen möchtest, was ich dir sehr empfehlen würde, ich werde nichts verraten, was später relevant für die Story ist. Und verraten wer der Mörder ist, kann ich auch nicht, denn das ist Björn Diemel, wie schon im Klappentext nachzulesen ist.

Ein Beispiel für eine solche Achtsamkeitslektion ist im Kapitel eins. „Wenn Sie vor einer Tür stehen und warten, stehen Sie vor einer Tür und warten. Wenn Sie sich mit Ihrer Frau streiten, streiten Sie sich mit Ihrer Frau. Das ist Achtsamkeit. Wenn Sie vor einer Tür stehen und warten und die Wartezeit dazu nutzen, sich in Gedanken zusätzlich noch mit Ihrer Frau zu streiten, dann ist das nicht Achtsamkeit, dann ist das einfach nur blöd.“

Und solche Zitate sind es, die das Buch für mich so wunderbar machen, weil man weiß, dass der Autor damit vollkommen Recht hat. Und die Lektion in Achtsamkeit ist genau die richtige Lektion. Sie ist bloß anders verpackt und kommt nicht so esoterisch daher oder so weltfremd. Und das hilft mir, die Lektion zu verinnerlichen. Dazu kommt noch, dass ich jedes Mal, wenn ich an eine der Lektionen denke, auch sofort das Bild im Kopf habe, was Björn Diemel zu dieser Zeit gerade gemacht hat. Und das hilft mir sehr gut dabei, mich daran zu erinnern und das zu verinnerlichen und auch zu verstehen, wie es angewendet wurde. Denn auch wenn die Lektionen der Achtsamkeit immer etwas ad absurdum geführt werden, so sind sie trotzdem echte Anwendungsfälle, die dort beschrieben werden.

Und mal ganz ehrlich, wofür man jetzt Achtsamkeit einsetzt, das ist jedem selbst überlassen. Ob man das nutzt, um netter und freundlicher zu seinen Mitmenschen zu sein oder ein besseres Verhältnis zu seiner Familie zu haben oder eben, um andere Menschen besser umbringen zu können und ein Verbrecherkartell zu übernehmen. Es handelt sich also um einen Krimi mit viel Galgenhumor und der Möglichkeit, etwas über Achtsamkeit zu lernen, mit dem schönen Vorteil, dass man im Gegensatz zu manch anderem Sachbuch das Buch nicht irgendwann aus der Hand legt und dann die zweite Hälfte nie liest, sondern dass man gar nicht aufhören möchte, weil man doch wissen will, wie die Story zu Ende geht.

Von den 37 Kapiteln werde ich dir jetzt alle 37 vorstellen. Und zwar einzeln, nein, keine Angst, nur ein Spaß. Bei Hektor habe ich gelernt, dass das vielleicht etwas viel ist und ich werde bloß drei der Kapitel vorstellen. Und zwar das erste Kapitel, das Kapitel Nummer drei, atmen. Der Atem verbindet unsere Körper mit unserer Seele. Solange wir atmen, leben wir. Im Atmen können wir Zuflucht nehmen. Wenn wir uns auf den Atem konzentrieren, konzentrieren wir uns auf die Verbindung von Körper und Geist. Mit dem Atmen können wir den Einfluss negativer Emotionen auf beide beruhigen.

Björn Diemel lernt dabei eine einfache Atemübung, er soll dreimal ganz bewusst tief ein- und auch wieder ausatmen. Und wer das einmal selbst schon probiert hat, der weiß, dass drei ruhige Atemzüge enorm helfen, wieder einen klaren Kopf zu bekommen und sich emotional zu fangen. Und wer das noch nicht weiß, der sollte es dringend einmal ausprobieren. Der einzige große Nachteil bei der Lektion ist, dass man das nicht machen kann, wenn andere Menschen noch dabei sind.

Das heißt, während du in einer emotionalen Situation bist, kannst du nicht einfach sagen: ey, jetzt wartet mal bitte kurz, ich muss dreimal tief durchatmen. Sondern du kannst es nur benutzen, um nach einer emotionalen Situation wieder runterzukommen. Es ist wohl die einfachste Lektion in Achtsamkeit, die es gibt. Und dennoch eine, die einen durchaus positiven Effekt auf uns haben kann. Die verschiedenen Stellen, an denen Björn sie anwendet, um sich emotional wieder in den Griff zu bekommen, kann ich dir jetzt leider nicht erzählen. Aber es rentiert sich und er kann gar nicht so viel weghecheln, dass er am Ende immer ruhig bleibt.

Die zweite Achtsamkeitslektion, die ich dir erzählen möchte, ist das Kapitel Nummer sechs, die innere Welt des Gegenübers. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht auf das, was Ihr Gegenüber sagt, sondern auf das, was Ihr Gegenüber sagen will. Das, was Sie hören, ist nur das Echo der inneren Welt Ihres Gegenübers. Wenn Sie nicht hören, sondern fühlen, entpuppt sich so manche Beleidigung als Hilfeschrei. Björn ist hier in der Situation mit einer äußerst gehässigen Sekretärin zu tun zu haben, die ihn aufhalten möchte. Durch die Lektion versteht er aber, dass diese Gehässigkeit gar nicht auf ihn projiziert ist, sondern auf sie selbst.

Und das ist etwas, was man in der wahren Welt auch immer wieder erleben kann. Menschen behandeln andere Menschen so, wie sie sich auch selbst behandeln. Das heißt, wenn du etwas mit einem Menschen zu tun hast, der sehr feindselig ist, der sehr misstrauisch ist und voller Ärger und Zorn, so ist das ein Mensch, der auch sich selbst gegenüber misstrauisch, ärgerlich und zornig ist. Und wenn wir das verstanden haben, dann ist so manche Beleidigung oder komische Bemerkung, die der andere zu uns sagt, gar nicht mehr so beleidigend, sondern eher ein Punkt, dass wir Mitgefühl mit dem anderen entwickeln können, weil er sich offensichtlich nicht anders auszudrücken weiß und, wie gesagt, sich selbst auch so behandelt.

Die dritte Lektion über Achtsamkeit ist Kapitel Nummer neun, Single-Tasking. Es gibt für jeden Menschen die gleiche Zeit. Wir unterscheiden uns nur in dem, wie wir diese Zeit nutzen wollen. Je mehr Sie in einem Zeitraum erledigen wollen, desto mehr Stress empfinden Sie. Das nennt sich Multitasking. Überlegen Sie selber, was für Sie wichtiger ist und erledigen Sie ausschließlich das. Das nennt sich Single-Tasking. Wenn Sie damit fertig sind, erledigen Sie das nächste Wichtige. Sie werden sehen, schon bevor Sie fertig sind, haben Sie keinen Druck mehr und danach noch jede Menge Zeit übrig.

Das Thema Multitasking taucht immer wieder auf, unter anderem auch in dem Buch „The One Thing“, das ich letztens gelesen habe und über das ich auch noch gerne einen Podcast machen möchte. Ich bin mittlerweile der festen Meinung, dass Multitasking ein Mythos ist. Während wir multitasken, haben wir oft den Eindruck, besonders effizient und effektiv zu sein. Aber das ist nur ein Eindruck.

Wenn man sich einmal die Fakten dazu anschaut, dann wird man recht schnell sehen, dass jede Störung, die wir haben oder jeder Themenwechsel, den wir selber vornehmen, uns einige Minuten Zeit kostet und auch einiges an Energie kostet, weswegen es in der Regel immer cleverer ist, sich auf eine Sache nach der anderen zu konzentrieren. Sehr schön fand ich dabei auch die Idee, dass man sich aktiv dafür entscheidet, was aktuell das wichtigste ist und damit anfängt. Und danach das nächst wichtigste macht. Oft genug wird man feststellen, dass man am Ende nicht alles gemacht hat, was auf der To-Do-Liste war, aber die wirklich entscheidenden Punkte umsetzen konnte. Und das ist viel wichtiger als möglichst viele Punkte von der To-Do-Liste abzuhaken.

Also in kurz: wenn du Interesse an Krimis und ein bisschen an Achtsamkeit hast, dann hole dir das Buch und lese oder höre es. Ich habe es gehört und fand es fantastisch. In den Shownotes werde ich dir auch einen Link zu einer Hörprobe reinmachen. Ich habe das Buch bisher fünf Personen empfohlen, drei davon haben es gekauft und keine der drei hat es bereut. Sobald du das Buch gelesen hast, schreibe mir doch gerne eine E-Mail, Sofortnachricht oder Kommentar, welche Lektion dir am besten gefallen hat und wie du sie anwenden konntest. Ich bin sehr gespannt da drauf, was dich am meisten beeindruckt hat.

Sollte dir der Podcast gefallen haben, dann lasse mir doch gerne eine Fünf-Sterne-Bewertung da. Falls dir etwas fehlt oder du einen Themenwunsch haben solltest, dann lass mich das wissen. Ich würde mich freuen, auf ein Thema von dir einzugehen. Jetzt wünsche ich dir einen wunderschönen Abend.

Bleib gesund,

Daniel

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Link zur Hörprobe: Karsten Dusse: Achtsam morden (Hörprobe)

Daniel Verfasst von:

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